Rückenmarksnahe Schmerzbehandlung

1. Begriffsbestimmung

Die Rückenmarksnahe Schmerzbehandlung stellt eine Behandlungsform für die Patienten dar, die an einem hochgradigen, chronifizierten Schmerzsyndrom leiden, das mit den üblichen konservativen Behandlungsformen nicht, oder nicht ausreichend zu behandeln ist.

Dabei kann das Schmerzsyndrom die unterschiedlichsten Ursachen haben (Tumor-Schmerz, Postoperativer Schmerz, Schmerzen bei hochgradigen degenerativen Veränderungen, Nervenschmerzen ect.)

Neben dem quälenden Schmerz ist ein zusätzlicher beeinträchtigender Faktor die deutliche Einbuße an Lebensqualitäten. Innerfamiliäre Probleme, sowie Partnerschaftsprobleme sind nicht selten Folge eines chronischen Schmerzleidens.

2. Indikationsstellung

Die Auswahl der Patienten, erfolgt sehr kritisch und in mehreren Gesprächen.
Erfüllt der Patient die Maßgaben, die an eine derartige Behandlung geknüpft sind, so wird über einen Antrag bei der entsprechenden Krankenkasse eine weitere neutrale Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen durchgeführt.
Sollte auch im Rahmen dieser Prüfung der Patient geeignet erscheinen, so ist der Weg frei für die operative Vorgehensweise, welcher ein sehr umfangreiches Aufklärungsgespräch über die operativen Risiken vorausgestellt wird.

3. Duchführung

3.1. Dosisfindung

Der Patient kommt zur stationären Aufnahme. In Vollnarkose erfolgt die Implantation des Rückenmarkkatheters über einen kleinen Hautschnitt im Bereich der Wirbelsäule.
Der Katheter wird dann ausgehend vom Rücken über die linke Flanke unter der Haut nach vorne geleitet und hier nach Extrakorporal herausgeleitet. Dieser Katheter wird mit einer elektronischen Medikamentenpumpe verbunden, die eine konstante Menge an Schmerzmittel über das Kathetersystem in den Bereich des Rückenmarks abgibt. Der Patient wird täglich im Hinblick auf seine Scherzreduktion und eventueller Nebenwirkungen untersucht, und die Dosis im täglichen Intervall schrittweise soweit gesteigert, bis der Patient einen Zustand angibt, der eine deutliche Besserung der Schmerzen bis hin zur Beschwerdefreiheit beschreiben kann.
Ist dieser Punkt erreicht, d.h. ist die erforderliche Medikamentendosis gefunden wird der Patient für einige Tage nach Hause entlassen um im Alltag zu prüfen, ob auch unter diesen Verhältnissen eine deutliche Schmerzbesserung vorliegt.

3.2. Implantation der Medikamentenpumpe

Medikamentenpumpe Archimedes

Bei anhaltender Zufriedenheit des Patienten und einem erneuten kritischen Gespräch erfolgt die ambulant durchgeführte Pumpenimplantation. Dabei erfolgt in Narkose ein Hautschnitt unter dem linken Rippenbogen. Hier wird eine vorher mit der entsprechenden Medikamentendosis befüllte Gasdruckgesteuerte Medikamentpumpe unter die Haut eingelegt und ein von der Pumpe ausgehender Katheter unter der Haut mit dem bereits liegenden Rückenmarkskatheter verbunden. Der herausgeleitete Anteil des RM-Katheters wird entfernt. Der Patient kann nach der entsprechenden postoperativen Beobachtungsphase am gleichen Nachmittag/Abend das Krankenhaus wieder verlassen. Die postoperativen Wundkontrollen erfolgen entweder in der Praxis für Neurochirurgie, oder gegebenenfalls auch, bei weiterer Entfernung zur Praxis in Absprache mit dem Hausarzt.

4. Pumpennachbefüllung

Je nach Größe der verwendeten Pumpe ist nach unterschiedlichen Intervallen die Nachbefüllung erforderlich. In der Regel werden Pumpen mit einem Füllungsvolumen von 20 ml, bzw. 35 ml. verwendet. Bei einer Flussrate von ungefähr 1 ml/ 24 Stunden müssen die Pumpen daher nach maximal 20 bzw. 35 Tagen erneut befüllt werden. Die Füllung erfolgt in der Praxis für Neurochirurgie mit einem speziellen Befüllungssystem.
Die zuverlässige Wiederbefüllung ist absolut erforderlich, da Entzugsymptome, bzw. eine erneute Zunahme der Schmerzen auftreten können.



Dr. med. Norbert Sperke | Facharzt für Neurochirurgie
Wirbelsäulenchirurgie | Zentrale Schmerztherapie
Dt. Gesellschaft f. Neurochirurgie | Dt. Gesellschaft f. Wirbelsäulenchirurgie | Dt. Gesellschaft f. Schmerztherapie
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